Rheinland

(Rossenray / Pattberg / Rheinpreussen)

Die meisten Bilder und Texte aus diesem Beitrag wurden uns freundlicherweise von Norbert Rescher (ruhrzechenaus.de) zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Das größte Bergwerk Deutschlands

Mit fortschreitender Rationalisierung und dem Auslaufen der Nachbarzechen wurde eine umfassende Neuordnung der bestehenden Anlagen am linken Niederrhein nötig, um die noch anstehenden Kohlenvorräte abzubauen. Das Resultat war das Bergwerk Rheinland. Der Restbetrieb von Rheinpreussen und die eigenständige Anlage Pattberg wurden mit der Zeche Rossenray zusammengelegt. Es entstand das größte Bergwerk Europas. Mit 5.267615 t wurde auch die höchste je im Ruhrbergbau erzielte Jahresförderung erreicht. Dies entspricht etwa der Menge, die um 1860 im gesamten Ruhrgebiet in einem Jahr gefördert wurde. 1981 umfasste die Berechtsame 160 km², wovon 33 im Abbau und 65 stillgelegt waren.

„Rheinland“

Der Name Rheinland war schon einmal (von 1919 – 1927) für den Abbaubetrieb der Schächte Rheinpreußen 5/6 benutzt worden – vor der Umbenennung in Pattberg.

Rossenray

Schon 1909 begannen erste Vorarbeiten für das Abteufen der Rossenrayschächte durch die Rheinischen Stahlwerke. Der damalige Schachtansatzpunkt lag etwa 600 m nordwestlich von der späteren Anlage genau über einer Störung (Binsheimer Sprung). Die Arbeiten wurden 1911 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten eingestellt. 1927 kaufte die Frankfurter Gasgesellschaft das Grubenfeld, entwickelte aber keine weiteren Aktivitäten. Angedacht war wohl eine eigene Kohlenbasis für das Gaswerk am neuen Frankfurter Hafen. 1937 fand der Besitzerwechsel zur Friedrich Krupp AG statt. Diese begann mit dem Abteufen. Wegen des 2.Weltkriegs wurden die Arbeiten 1945 eingestellt und 1954 wieder aufgenommen. Trotz der beginnenden Bergbaukrise sollte ein modernes Anschlussbergwerk mit drei Schächten entstehen. Erst 1962 konnte die Zeche Rossenray in Betrieb gehen. Nur acht Jahre später ging sie im Verbundbergwerk Rheinland auf.

Über Schacht 2 steht ein dreibeiniges Strebengerüst in Stahlkastenbauweise. Bemerkenswert ist das ungewöhnliche Turmfördergerüst über Schacht 1 aus Stahlbeton. Es hat die Form eines umgedrehten Kreuzes und ist 114 m hoch. Der Turm ist mit einer Lichtinstallation („Yellow Marker“ von Mischa Kuball) versehen und bildet den sog. „Westpol“ der Landmarken-Kunst, deren Gegenstück im Osten der Förderturm von Schacht 4 der Zeche Königsborn in Unna bildet. Sie bildet einen Teilbereich der „Route der Industriekultur“.

Die Anlage erreichte nie ihre volle Leistungfähigkeit, da sie vor einem entsprechenden Ausbau 1970 im Bergwerk Rheinland aufging. 1969 wurden 1.096108 t Kohle gefördert. 1966 starben bei einer Schlagwetterexplosion 16 Bergleute.

Anhören: Arbeiten und Leben unter Tage

Unsere Zeitzeugen erzählen

Schacht Rheinberg

Der Schacht Rheinberg wurde als Wetterschacht für das Nordfeld von Rossenray und das Feld Binsheim der Zeche Walsum abgeteuft, aber nicht mehr genutzt. 1993 wurden alle anderen noch betriebenen linksrheinischen Zechenanlagennlagen an das Bergwerk Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort angeschlossen. Der Schacht wurde von der Zeche Walsum auf der rechten Rheinseite übernommen, deren Baufeld hier den Rhein überschritt. Das einfache Befahrungsgerüst war 2015 noch vorhanden. Größere Betriebsgebäude existierten nicht.

Fotos

Info: Mutterklötzchen

Holz für die Mutter

640px-Mutterkloetzchen

Als Mutterklötzchen wird in der Bergmannssprache ein etwa fußlanger, möglichst astreiner Holzabschnitt bezeichnet, der als Anmachholz zum Entzünden von Feuer verwendet wird. Traditionell wurden Mutterklötzchen vom Grubenholz am Arbeitsplatz „abgezweigt“ und von den Bergleuten mit nach Hause genommen. Sie dienten der ‚Mutter‘ zum Entzünden der Kohleöfen und Küchenherde. Dabei zersägten Kumpels oft die besten Holzstempel, nur um ein sogenanntes „Prachtklötzken“ zu ergattern. Dieser Holzdiebstahl war zwar verboten, wurde aber als Gewohnheitsrecht angesehen.

Text Mutterklötzchen: Wikipedia – Mutterklötzchen. Foto: Arnoldius – Wikimedia Commons. Beide CC-BY-SA 3.0

Anhören: Im Bergwerk wird auch schonmal was abgezweigt:

Silvo Magerl zum Mutterklötzchen

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